Sexyness kennt kein Alter
Es gibt Frauen, die sich mit fünfzig sexyer fühlen als in ihren Zwanzigern. Eine Freundin von mir ist genau so eine. Sie spricht nicht nur darüber, sie lebt es. Wie sie dies macht und warum sie sich auch mitten im Hormonwechsel wohl in ihrer Haut fühlt, erzählt sie in diesem Gastbeitrag.
In einem Gespräch mit Freundinnen sagte mir eine von ihnen, dass sie sich nur sexy fühlt, wenn ihr Mann sie begehrend ansieht und daraus das gewohnte Balzverhalten mit abschliessendem Akt entsteht. Eine andere meinte, sie fühle sich gar nicht mehr sexy, weil sie schlicht gar keinen Sex mehr hat. Und die Dritte im Bunde resignierte mit den Worten, dass man sich als Single über 50 sowieso keinen Anlass mehr gebe, sich sinnlich zu fühlen.
Das liess mich ein bisschen irritiert zurück. Denn mir geht es hier vor allem um das eigene Gefühl und darum, wie grossartig es sich anfühlen kann, wenn man es für sich selbst schafft, sich sexy zu fühlen. Klar gibt es in den Wechseljahren Dinge, die man getrost ausblenden darf, weil sie das Leben nicht gerade leichter machen. Aber es gibt auch Dinge, die ich heute sehr schätze. Und dazu gehört ganz klar das Gefühl, mich sexier als je zuvor zu fühlen.
Als mir das bewusst wurde, ging ich diesem Gedanken weiter nach. Warum ist das bloss so? Woher kommt dieses Gefühl, dass es mir heute leichter fällt, mich sexy zu fühlen als mit zwanzig? Habe ich in den Achtzigern vor lauter Unsicherheit verpasst, meine Reize auszuspielen? Oder habe ich mich damals an einem Ideal orientiert, das ohnehin unerreichbar war?
Heute sind die Zwänge, perfekt sein zu wollen, längst vorbei. Diese Einsicht wirkt ungemein befreiend. Ich erinnere mich genau an den Moment, in dem ich mir gesagt habe, dass ich mich nie mit meinen viel jüngeren Arbeitskolleginnen messen möchte. Denn das bringt nichts ausser Minderwertigkeitsgefühlen und unnötigen Ballast. Ja, die besten Jahre meiner physischen Grundausstattung liegen wohl hinter mir. Das heisst aber nicht, dass ich resigniere. Ganz im Gegenteil. Ich tue mein Bestes, das Vorhandene möglichst lange zu erhalten. Mit Yoga, Spaziergängen und ab und zu auch mit einem Schwumm im kalten See.
“Heute betrachte ich mich mit einem neu gewonnenen Humor.”
All den Konventionen, die in früheren Jahren so wichtig waren und nun in den Wechseljahren plötzlich nur noch Stoff zum Schmunzeln geben, begegne ich gelassener. Eigentlich ist es doch amüsant, was sich der Körper gerade alles ausdenkt, um sich zu verändern.
Eines ist mir klar geworden: Sich sexy zu fühlen hat nichts mit dem Aussehen zu tun, trägt aber einiges dazu bei. Dieses Gefühl lässt die Augen strahlen, die Haut weich und warm werden und die Haare mehr glänzen. Und unglaublicherweise polstern sich die Falten fast wie von selbst wieder auf.
Warum das so ist? Einerseits sicher, weil wir in unserem Inneren eine eigene Hormonküche haben, die wir unbewusst steuern. Östrogen, Endorphine, Oxytocin, Dopamin und das heisse Testosteron werden diesem Gemütszustand ideal gemixt und grosszügig ausgeschüttet. Ein wahres Schönheitsgeheimnis also. Und im Gegensatz zu anderen teuren Massnahmen zur Selbsterhaltung ist dieses hier völlig gratis. Andererseits verschiebt sich dadurch auch unsere Selbstsicht, und zwar positiv.
Klar ist es schön, wenn mein Partner bemerkt, dass ich in High Heels und rot angemalten Lippen am Herd stehe. Aber mal ehrlich: Ich mache ihm keinen Vorwurf mehr, wenn ihm das nach so vielen Beziehungsjahren nicht jedes Mal auffällt. Denn Sexyness hat doch vor allem mit mir zu tun. Sie ist mein persönlicher Energiebooster, hebt meine Stimmung und verleiht mir genau dieses kraftvolle Gefühl, das ich an vollgepackten Tagen brauche. Zwischen Meetings, häuslichem Teenager-Ärger und dem unvermeidlichen Sofa-Mief im Beziehungsalltag wirkt sie zuverlässiger als jede Yogastunde.
Sechs Tipps wie es geht, in dieses wunderbare Gefühl zu kommen:
1. Selbstgenügsamkeit
Der wichtigste Mensch in meinem Leben bin ich. Wenn ich fest bei mir bin, brauche ich niemand anderen. Sich sexy zu fühlen ist keine Handlungsaufforderung, sondern eine innere Stimmungslage, von der ich selbst am meisten profitiere.
2. Musik
Eine gute Playlist transportiert mich in eine Traumwelt, in der ich Femme Fatale sein kann. Ein paar Tanzmoves vor dem Spiegel und die Sexyness ist da.
3. Ein kleiner Genuss
Auch wenn das im ersten Moment anmassend tönt: Bei mir funktioniert es. Damit meine ich nicht einen Vollrausch, sondern ein Glas Prosecco..Manchmal reicht genau dieser kleiner Funke.
4. Strümpfe
Unser Hirn ist leicht zu überzeugen. Feine schöne Strumpfhosen, ein Blick auf die Beine, und schon stimmt das Bild.
5. Humor
Graue Haare und Falten werden erträglicher, wenn man darüber lacht. Dopamin inklusive.
6. Berührung
Ein paar bewusste Berührungen über die Haut genügen und schon wird Oxytocin freigesetzt.